Ein schwerer Autounfall, zerplatzte Träume, hohe Schulden: Alfons Bromkamp war am Rand der Verzweiflung und kurz davor, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch dann fand er den Weg zurück zu Gott. IDEA-Redakteurin Erika Weiss stellt den 65-Jährigen vor.
Vom Millionär zum Business-Missionar
An einem grauen Novembertag 2001 fährt Alfons Bromkamp in seinem Maserati Coupé über die Autobahn. Von außen betrachtet wirkt sein Leben perfekt: Er ist mehrfacher Millionär, besitzt eine Immobilie auf Mallorca, trägt eine teure Uhr am Handgelenk. Doch hinter der glänzenden Fassade bröckelt es. Start-up-Investitionen platzen, Betrüger ziehen ihn um eine siebenstellige Summe über den Tisch, das Finanzamt fordert eine Nachzahlung in Millionenhöhe.
Sein Unternehmen, einst mit 700 Mitarbeitern und 40 Millionen Euro Umsatz, ist Geschichte. Auf der nassen Fahrbahn gerät Bromkamp mit seinem Sportwagen ins Schleudern. Aquaplaning. Sekunden später steckt er eingeklemmt unter einer Leitplanke fest. Die Feuerwehr schneidet ihn frei. Der Notarzt sagt ihm später, er habe „mindestens sieben Schutzengel“ gehabt. Bis auf eine Brustkorbprellung und ein paar Schnittwunden bleibt Bromkamp unverletzt. Sein Maserati ist ein Totalschaden.
Am darauffolgenden Morgen gesteht sich Bromkamp ein: „Alfons, du bist absolut am Ende. Das Auto kaputt. Die Schulden wachsen dir über den Kopf.“ Er blättert durch seine Versicherungsunterlagen, prüft Leistungen im Todesfall – und überlegt, ob ein arrangierter Unfall seine Familie finanziell absichern könnte. „Wenn man darüber nachdenkt, wie sich ein Suizid wie ein Unfall tarnen ließe, dann ist man ganz unten angekommen“, sagt er. Seine Frau Beatrix weiß, dass es ihm mental schlechtgeht – von Suizidgedanken ahnt sie jedoch nichts.
Wenn man darüber nachdenkt, wie sich ein Suizid wie ein Unfall tarnen ließe, dann ist man ganz unten angekommen.
„Mit 40 bin ich mehrfacher Millionär“
Als das jüngste von sieben Kindern wuchs Bromkamp in einfachen Verhältnissen in einer katholischen Familie auf. Der christliche Glaube war seinen Eltern eine große Stütze. Sein Vater arbeitete im Ruhrgebiet auf der Zeche, doppelte Schichten, oft auch an Feiertagen. „Er kam rußverschmiert nach Hause und ging trotzdem noch in den Garten, um weiterzuarbeiten. Ich habe gesehen, was harte Arbeit heißt“, erinnert sich Bromkamp.
Alfons war neun Jahre alt, als sein Vater an Krebs starb. „Er hat mir gezeigt, was Präzision bedeutet. Gutes Werkzeug führt zu guten Ergebnissen. Das habe ich nie vergessen.“
Mit 16 begann Bromkamp eine kaufmännische Ausbildung bei Karstadt. Er merkte schnell, dass er gut mit Menschen kann – und dass er sich nach einem Leben sehnte, das er als Angestellter kaum erreichen würde. Als junger Mann fasste er den Entschluss: „Mit 40 bin ich mehrfacher Millionär.“ Er hielt Wort. Doch später verlor er nahezu alles.
Rückkehr zum christlichen Glauben
In seiner schwersten Krise muss er an das biblische Gleichnis vom verlorenen Sohn denken und sieht Parallelen zu seinem eigenen Leben: „Er erlebte viel Gnade, machte dann aber alles kaputt – und kehrte in die Arme seines Vaters zurück.“ Bromkamp gesteht: „Mit meinem beruflichen Erfolg rückte Gott für mich mehr und mehr in den Hintergrund. Für mich standen Reichtum und Besitz im Fokus.“
Im Wohnzimmer kniet er sich hin und betet sein erstes Gebet seit Jahren: „Lieber Gott, ich weiß überhaupt nicht, wie es weitergehen soll. Ich sehe gar keine Möglichkeit, da jemals wieder rauszukommen. Eigentlich habe ich keine zweite Chance verdient. Aber wenn du mir eine gibst, wäre ich dankbar.“
Danach liegt kein Lottoschein in seinem Briefkasten. Aber ein Freund ruft ihn mit einem Jobangebot an. Kein dicker Firmenwagen, keine zwei Sekretärinnen, aber Bromkamp kann nach und nach seine Schulden abbezahlen. Mit der finanziellen Entlastung geht es ihm auch mental besser.
Jesus ist der Coach
Wenige Wochen später besucht er mit seiner Frau ein christliches Unternehmertreffen in Dortmund. Dort hört er von der evangelischen Freikirche „Kirche im Pott“. Neugierig, aber auch skeptisch schaut das Paar dort vorbei – und bleibt. „Die Predigt hat mich mitten ins Herz getroffen. Ich dachte, der Pastor spricht nur zu mir“, erinnert sich Bromkamp. Thema war der Heilige Geist als Beistand: „Ich musste ein paar Tränchen verdrücken. Seitdem ist Jesus mein Coach. Er ist 24/7 erreichbar – die Hotline ist nie belegt und niemals gebührenpflichtig.“
Seitdem hat er kaum einen Gottesdienst verpasst. „Der Sonntag ist meine Tankstelle“, betont er. In der Gemeinde leitet er heute die Seniorengruppe, die „Goldies“. Man trifft sich zum Essen, macht Ausflüge oder spricht über biblische Themen. Die Gemeinschaft ist Bromkamp ans Herz gewachsen.
Der Sonntag ist meine Tankstelle.
Bromkamp, der Kreiszieher
Heute führt Alfons Bromkamp wieder ein Unternehmen: die „TRIPLE S Manufaktur“, ein Callcenter mit 400 Mitarbeitern in Bochum.
Zehn Prozent der Einnahmen werden gespendet – unter anderem an ein christliches Waisenhaus auf den Philippinen. Sein Grundsatz: „Wir machen keine Projekte, bei denen Menschen über den Tisch gezogen werden. Lieber verzichten wir auf Umsatz.“ Deshalb trennte er sich auch von Banken oder Versicherungen, deren Produkte nicht zu seinen ethischen Maßstäben passen. Stattdessen arbeitet er mit Organisationen wie der Heilsarmee oder dem Hilfs- und Missionswerk OM Deutschland (Operation Mobilisation). Dafür hat er die Gesellschaft „Purpose. Proud and Loud“ gegründet.
Bevor er morgens ins Büro geht, zieht Bromkamp seine Gebetsrunden ums Firmengebäude. Dazu inspiriert hat ihn Honi, der „Kreiszieher“: Der jüdische Gelehrte aus dem 1. Jahrhundert vor Christus soll in einer Dürre periode für Regen gebetet haben, indem er einen Kreis zog, sich hineinstellte und ausharrte, bis sein Gebet erhört wurde. „Ich bete für unsere Mitarbeiter, für ihre Familien, für unsere Kunden – und auch für das Unternehmen“, sagt Bromkamp. Einige Mitarbeiter haben schon gefragt: „Ey, Boss, was ist los mit dir? Willst du nicht arbeiten?“ Seine Antwort: „Ich bete für euch.“ Noch nie habe er erlebt, dass ein Mitarbeiter sein Gebet nicht will.
Wir machen keine Projekte, bei denen Menschen über den Tisch gezogen werden. Lieber verzichten wir auf Umsatz.
Wenn der Chef zum Mittagessen einlädt
Auch innerhalb des Unternehmens setzt Bromkamp auf Werte. Die Büros sind hochwertig und modern gestaltet – angelehnt an den Satz seines Vaters, dass man gutes Werkzeug braucht, um gute Arbeit zu leisten.
Einmal pro Woche lädt Bromkamp einen Mitarbeiter zum Lunch ein. „Ich will hören, was ihn persönlich und beruflich bewegt und was wir in unserem Unternehmen anders machen können.“ Wenn jemand in Not ist, hilft Bromkamp auch praktisch – zum Beispiel als neulich eine Mitarbeiterin eine neue Küche brauchte.
Sein ältester Sohn Boris leitet die Firma inzwischen gemeinsam mit ihm.
Pure „Jesus-Power“
Trotz allem erlebt Bromkamp auch heute Krisen. Als im vergangenen Jahr gleich drei Großkunden abspringen wollten, stand für sein Unternehmen viel auf dem Spiel. „Da zweifelst du wirklich an allem“, erinnert er sich. Die Situation schien aussichtslos – bis er nach einem erneuten Gebet ein Angebot entwickelte, das die Kunden überzeugte. „Drei Monate später hatten wir nicht weniger, sondern mehr Arbeit. Das war für mich pure Jesus-Power.“
Von solchen Erfahrungen berichtet er öffentlich bei Vorträgen für Führungskräfte. „Beten hilft – gerade auch im Business“, sagt Bromkamp. Zugleich hinterfragt er immer wieder seine eigene Motivation. „Wenn mir der Applaus zu wichtig wird, gehe ich ins Gebet. Ich will Gottes Business-Missionar sein und kein Selbstdarsteller.“
Drei Ratschläge für junge Unternehmer von Alfons Bromkamp
1. Nicht aufgeben. Harte Zeiten sind kein Rückschritt, sondern Training fürs nächste Level. Wachstum entsteht im Sturm – wie beim Adler, der gerade dann seine Flügel stärkt.
2. Beten hilft – auch im Business. Gott als Coach einbeziehen, ihn fragen, wohin die Reise geht, und um Hilfe bitten.
3. Die Richtigen fragen. Gute Ratgeber im Umfeld suchen – und darüber hinaus den himmlischen Coach.
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