Junge Frauen in Führung bringen

Maria war eine junge Frau, als sie Jesus zur Welt brachte. Trotzdem warten wir heute, bis junge Frauen „perfekt“ sind, bevor wir ihnen etwas zutrauen.

Foto: KCF/Licht & Salz

Was brauchen junge Frauen, um in Leitung hineinzuwachsen? Dr. Evi Rodemann, Vorsitzende der Koalition für Evangelisation in Deutschland/Lausanner Bewegung und von ihrem Verein LeadNow, brennt für Leiterschaft und die nächste Generation. In diesem Beitrag schreibt sie darüber, warum Führung keine Frage des Alters ist und wie Du speziell junge Frauen fördern kannst.

Ich glaube, dass Leitung eine Berufung ist. Und ich glaube, dass Gott sie nicht nach Alter verteilt. Ich selbst habe als junge Frau zum ersten Mal Leitungsverantwortung übernommen, weil jemand mich gesehen und mir vertraut hat. Jemand hat mein Potenzial erkannt – nicht, weil ich schon alles konnte, sondern weil mir Raum gegeben wurde, hineinzuwachsen.

Heute begegne ich vielen jungen Frauen, die klar denken, geistlich wach sind und mutig Verantwortung übernehmen möchten – und gleichzeitig erlebe ich bei ihnen Zurückhaltung und Zweifel. Die leise Frage: Darf ich das wirklich? Bin ich schon so weit? Diese Fragen werden selten laut ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen sind sie oft erkennbar.

Warum wir junge Frauen bewusst fördern müssen

Gott beruft Menschen oft, bevor sie sich selbst dafür geeignet fühlen – das gilt auch für Frauen. Maria war noch sehr jung, als Gott ihr die größte Vertrauensaufgabe der Geschichte anvertraute. Esther wuchs in ihre Rolle hinein und rettete durch mutige Entscheidungen ein ganzes Volk. Dasselbe sehen wir bei David, Jeremia und Timotheus. Keiner von ihnen war fertig, aber alle wurden gerufen. Das zeigt mir: Wachstum als Leitungsperson geschieht, während wir in Bewegung sind.

Viele junge Frauen sind sehr engagiert. Sie organisieren, begleiten andere und tragen Verantwortung. Trotzdem werden sie selten bewusst in Führungsrollen eingeladen. Das bleibt nicht ohne Folgen: Begabungen bleiben unentdeckt, und manche verlieren innerlich den Mut – nicht, weil sie nicht könnten, sondern weil niemand gesagt hat: Ich sehe dich. Ich traue dir das zu.

Wenn wir junge Leiterinnen nicht bewusst fördern, schwächen wir unsere Zukunftsfähigkeit.

Unsere Kirchen, Werke und Unternehmen leben von unterschiedlichen Perspektiven, verschiedenen Stimmen und Erfahrungen, die sich ergänzen. Wenn Frauen und Männer gemeinsam auf Augenhöhe leiten, entsteht ein breiteres Bild. Junge Frauen bringen neue Ideen mit, andere Blickwinkel und frische Zugänge. Wenn diese Stimmen fehlen, wird Führung schnell einseitig – und erreicht nicht alle Menschen gleichermaßen.

Dabei wächst niemand allein in Führung hinein. Sie entsteht dort, wo Menschen einander wahrnehmen, zuhören, wo Fragen Platz haben, Vertrauen ausgesprochen und etwas ausprobiert werden darf. Die meisten von uns können Menschen benennen, die uns begleitet, ermutigt oder herausgefordert haben. Manchmal geschieht das leise, manchmal nebenbei – und doch prägen genau diese Beziehungen unseren Weg. Führungskräfte reifen in Gemeinschaft.

Wie wir eine Kultur der Förderung leben können

Ich wünsche mir eine Kultur, in der junge Frauen nicht erst perfekt sein müssen, um leiten zu dürfen – sondern währenddessen lernen dürfen. Förderung heißt nicht, jemanden zu überfordern. Förderung heißt: jemanden sehen, Verantwortung teilen, Lernräume schaffen, Fehler erlauben, ehrliches Feedback geben und Türen öffnen. Und sie beginnt bei uns selbst – in unserem Umfeld, unseren Teams, unseren Gemeinden.

Vielleicht ist da schon eine junge Frau, die Dir beim Lesen dieser Zeilen in den Sinn kommt. Dann sprich sie an. Lade sie ein. Teile Verantwortung. Und begleite sie ein Stück ihres Weges.

Checkliste: Wie kann ich junge Frauen mit Leitungsbegabung entdecken und unterstützen?

Die folgenden Fragen können Dir dabei helfen, konkret zu werden:

Wahrnehmen

  • Wer übernimmt Verantwortung, auch ohne Titel?
  • Wer denkt mit, stellt kluge Fragen, bringt Ideen ein und hat Einfluss auf andere?

Ansprechen

  • Sage konkret, was Du in ihr siehst.
  • Sprich Begabung aus – nicht nur Leistung.

Einladen

  • Lade zu Leitungs- und Entscheidungsrunden ein.
  • Gib echte Verantwortung, nicht nur Aufgaben.

Begleiten

  • Biete Mentoring oder regelmäßige Gespräche an.
  • Teile eigene Erfahrungen – auch Fehler und Unsicherheiten.

Reflektieren

  • Wen fördere ich bewusst?
  • Welcher jungen Frau könnte ich ganz konkret eine Tür öffnen?

Evi Rodemann

Foto: Evi Rodemann

Über die Autorin

Evi Rodemann ist Leiterin von LeadNow e.V. mit einer Leidenschaft dafür, junge Führungskräfte zu fördern und zu begleiten. Seit vielen Jahren engagiert sie sich besonders für Frauen in Leitungsverantwortung Mit ihrem eigenen Programm „She Leads“ begleitet sie junge Leiterinnen über mehrere Monate hinweg durch Mentoring, Trainings und persönliche Entwicklung in einer starken Gemeinschaft.

Über die Autorin

Evi Rodemann

Foto: Evi Rodemann

Evi Rodemann ist Leiterin von LeadNow e.V. mit einer Leidenschaft dafür, junge Führungskräfte zu fördern und zu begleiten. Seit vielen Jahren engagiert sie sich besonders für Frauen in Leitungsverantwortung. Mit ihrem eigenen Programm „She Leads“ begleitet sie junge Leiterinnen über mehrere Monate hinweg durch Mentoring, Trainings und persönliche Entwicklung in einer starken Gemeinschaft.

SHE LEADS.
Starke Frauen. Starke Rollen.

Eine Tagesveranstaltung des KCF für Frauen in Führungspositionen.

📆 26. September 2026 |📍 Mediencampus Villa Ida in Leipzig