Die Ersatzbank entscheidet mit über den Erfolg

Wie Du Deine Vertretung fit machst für die „Einwechslung“ – und warum bei Jesus alle in der Startelf stehen

Foto: Max Galys/DFB

Zum ersten Mal seit zwölf Jahren stand Deutschland wieder in der K.-o.-Phase einer Fußballweltmeisterschaft. Bis zum dramatischen Ende gegen Paraguay, war Deniz Undav für viele der Hoffnungsbringer der WM. Dreimal eingewechselt, drei Tore, zwei Vorlagen – eine gute Bilanz. Wohl dem Team, das auf eine solche Ersatzbank zurückgreifen kann.

Genau darum geht es besonders jetzt in der Urlaubszeit. Denn darin zeigt sich, wie tragfähig ein Team wirklich ist. Gibt es Teammitglieder, die für Dich einspringen können? Oder hängt alles an einzelnen Schlüsselpersonen?

Im schlimmsten Fall pausiert der Spielbetrieb, im besten Fall läuft alles stabil weiter, auch wenn einer fehlt. Wer sich nur auf Übergaben vor und nach dem Urlaub fokussiert, läuft Gefahr, dass das Match misslingt. Besser ist es, vorher schon verschiedene Aufstellungsvarianten zu trainieren. Dazu gehört ein guter Matchplan: sauber dokumentierte Prozesse, klare Zuständigkeiten und Hinweise auf besondere „Spielsituationen“. Welche Kunden, Klienten oder Mitarbeitende brauchen besondere Aufmerksamkeit? Welche Qualitätsstandards sind einzuhalten? Welche Entscheidungen könnten während deiner Abwesenheit anstehen – und was sind Kriterien, an denen man sich orientieren kann?

All das lässt sich nicht in ein einziges Übergabemeeting pressen. Vertretungsregelungen sind kein saisonaler Zusatz für die Sommermonate, sondern ein fortlaufender Bestandteil des Miteinanders im Team. Dafür ist es sinnvoll, die Mitarbeitenden in relevante Prozesse einzubinden und ihnen nicht nur zu vermitteln, was zu tun ist, sondern auch warum. Das stärkt die Entscheidungsfähigkeit in wichtigen Situationen.

Mitunter bedeutet ein Spielerwechsel auch, dass das System sich verändern muss. Übertragen auf das Teamgeschehen während der Urlaubszeit kann dies bedeuten, Prozesse umzuorganisieren, Verantwortlichkeiten anders zu verteilen. Gute Führung zeigt sich darin, Menschen nicht nur für ihre Stammposition fit zu machen, sondern sie so zu entwickeln, dass sie auch in ungewohnten Situationen souverän handeln können.

Genau an dieser Stelle lohnt der Blick auf Jesus. Auch er hat Menschen nicht nur begleitet, sondern gezielt befähigt. Drei Jahre lang lebten seine Jünger mit ihm, hörten seine Lehre, beobachteten sein Handeln und wurden Schritt für Schritt in Verantwortung hineingenommen. Der entscheidende Unterschied: Bei Jesus gibt es eigentlich keine Ersatzbank. In seinem Team stehen nicht wenige Stars auf dem Platz und der Rest schaut zu. Jeder ist berufen, jeder ist wichtig, jeder soll mitwirken am Auftrag Gottes. Paulus bringt es später so auf den Punkt: „Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist … und in allen wirkt derselbe Gott“ (1. Korinther 12,4–6).

Was können wir von Jesus für unsere Teams lernen?

1. Jesus achtet auf das Herz, nicht zuerst auf das Talent

Die Jünger waren keine religiöse Elite. Fischer, Zöllner, ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Menschen mit Ecken und Kanten wie Du und ich. „Kommt, folgt mir nach“ (Matthäus 4,19) – das war sein Ruf. Entscheidend war nicht ein makelloses LinkedIn-Profil, sondern die Bereitschaft, sich von ihm prägen zu lassen. Auch für Deinen Führungsalltag heute ist das eine wichtige Erinnerung: Entwicklung beginnt oft bei den Lernbereiten, die durstig nach Weiterentwicklung sind.

2. Jesus riskiert, dass Fehler passieren und gibt trotzdem Verantwortung

Während im Fußball Fehler von den Medien stark kritisiert werden, ist es bei Jesus anders: Er weiß um die Macken seiner Nachfolger. Die Jünger verstanden vieles zunächst nicht, stritten um Rangplätze, reagierten ängstlich oder impulsiv. Und doch hielt Jesus an ihnen fest. Er korrigierte, erklärte, ermutigte und gab ihnen weiter Verantwortung. Petrus ist dafür ein eindrückliches Beispiel: Er scheitert spektakulär, wird von Jesus aber nicht aussortiert, sondern neu eingesetzt (Johannes 21,15–17). Wachstum braucht Vertrauen und oft auch die Freiheit, aus Fehlern zu lernen.

3. Jesus schickt seine Leute früh aufs Spielfeld

Jesus trainierte seine Jünger nicht nur theoretisch. Er sandte sie aus, damit sie selbst Erfahrungen sammeln konnten: „Danach rief er die Zwölf zusammen und gab ihnen Kraft und Vollmacht … und sandte sie aus“ (Lukas 9,1–2). Sie sollten nicht nur zuschauen, sondern selber handeln. Genau darin liegt ein starkes Führungsprinzip: Menschen werden nicht erst dann eingesetzt, wenn sie alles perfekt beherrschen, sondern sie wachsen in Verantwortung hinein.

Vielleicht ist genau jetzt – in der Urlaubszeit – ein guter Moment, auf die eigene Mannschaft zu schauen: Wer könnte eigentlich einspringen? Wer kennt nicht nur Abläufe, sondern auch die dahinterliegenden Ziele? Wer durfte schon einmal „Spielpraxis“ sammeln?

Jesus baut sein Reich nicht mit elf Superstars und vielen Zuschauern, sondern mit einfachen Menschen, die ihm vertrauen. Er befähigt Menschen, traut ihnen etwas zu und sendet sie los. Vielleicht ist das auch für unsere Teams die entscheidende Frage: Haben wir Mitarbeitende, die nur zuschauen – oder solche, die längst bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, wenn es darauf ankommt?

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Tobias Benjamin Ottmar

Foto: Tobias-B. Ottmar

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Tobias-B. Ottmar leitet zwar derzeit kein eigenes Team, aber ist froh, dass seine Kollegen ihn in der Urlaubszeit wunderbar vertreten können.

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Tobias-B. Ottmar leitet zwar derzeit kein eigenes Team, aber ist froh, dass seine Kollegen ihn in der Urlaubszeit wunderbar vertreten können.