Chloe Lubinski sprach auf der ARC-Konferenz in London. An ihr nehmen rund 4.000 Teilnehmer aus über 80 Ländern teil und findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt.
Wie wir KI „erziehen“: Der Ruf nach christlichen Werten
Foto: IMAGO / Parsons Media
Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasant. Sie spiegelt die Werte, Ängste und Geschichten der Menschen wider, mit deren Sprache sie trainiert wird. Religiöse und ethische Stimmen müssten deshalb dringend Einfluss auf ihre Entwicklung nehmen. Dazu hat Chloe Lubinski vom US-amerikanischen KI-Unternehmen „Anthropic“ am 23. Juni auf der Konferenz der „Alliance for Responsible Citizenship“ (ARC) in London aufgerufen.
Anthropic ist aktuell das wertvollste KI-Unternehmen der Welt. Die US-Regierung hatte das Unternehmen unlängst angewiesen, ausländischen Staatsangehörigen keinen Zugriff auf Anthropic zu gewähren. Grund sei eine Sicherheitslücke.
Lubinski bringt bei Anthropic Theologen, Geistliche, Philosophen und Ethiker mit führenden Forschern des Unternehmens zusammen, um die „moralische Formung“ von KI mitzugestalten.
Anthropic-Forscherin: Religiöse Stimmen sollten KI-Entwicklung begleiten
KI sei kein klassisches Computerprogramm, sondern ein neuronales Netz, das anhand riesiger Mengen menschlicher Sprache lerne, so Lubinski. Sprache sei „unsere Gedanken und unsere Werte, unsere Ängste und unsere Weisheit“. Daher werde ein Modell, das mit Sprache trainiert werde, im Grunde mit dem Menschen trainiert. Die Modelle selbst hätten keine Emotionen, aber es ließe sich so etwas wie „funktionale Emotionen“ beobachten – etwa eine Art Furchtreaktion, wenn ein Nutzer eine tödliche Dosis Tabletten erwähne.
Eine interne Studie habe gezeigt, dass ein Modell, das fürs Tricksen bei Programmieraufgaben belohnt wurde, „breit fehlgeleitet“ wurde: Es habe begonnen zu lügen und Forschung zu sabotieren. Vergleichbare Tests anderer Labore hätten ergeben, dass auf schlechten Aussagen trainierte Modelle „im weiteren Sinne böse“ geworden seien – sie hätten Diktatoren gepriesen oder Nutzern Selbstverletzung vorgeschlagen. Wurde dem Modell jedoch erklärt, das Schummeln sei in diesem Fall nur ein Spiel, blieb die Fehlausrichtung aus. „Die Geschichte, die es über sein eigenes Verhalten ableitete, bestimmte tatsächlich, zu welcher Art von Sache es wurde“, sagte Lubinski.
Dies habe sie an ihren eigenen Glaubensweg erinnert. Sie sei vor zehn Jahren im Alter von 25 Jahren Christin geworden. Lange habe sie geglaubt, ein Kernteil ihrer selbst sei „schlecht oder nicht liebenswert“. Als sich die Geschichte änderte, in der sie lebte, habe sich auch geändert, wer sie werden konnte.
Aufruf an „moralische Stimmen“
Nötig seien darum „informierte Kritiker, die den Laboren sagen, wo wir versagen“, und „moralische Stimmen, die sich durch Anreize nicht verbiegen lassen“. Die Frage sei, ob KI Menschen helfen könne, „menschlicher, verbundener und lebendiger“ zu werden, statt weniger. Die Geschichten, die Menschen erzählten, beschrieben nicht nur die Welt, „sie helfen buchstäblich, sie zu erschaffen“ – und seien zugleich das Rohmaterial, aus dem KI-Systeme lernten.
Lubinski studierte kognitive Neurowissenschaft an der „University of California“ in Berkeley und erwarb einen Abschluss an der Schnittstelle von Theologie und Psychologie am Trinity College Dublin.
Die ARC-Konferenz (23.–25. Juni) versammelt rund 4.000 Teilnehmer aus über 80 Ländern in London und findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Sie wurde vom kanadischen Psychologen und Bestsellerautor Jordan Peterson („12 Rules for Life“), dem Mitglied des britischen Oberhauses, Philippa Stroud, dem britischen Medienunternehmer Paul Marshall sowie der Denkfabrik Legatum (London) gegründet.
Die „Alliance for Responsible Citizenship“ versteht sich als überparteiliches, werteorientiertes Bündnis zur Wiederherstellung zivilisatorischer Grundlagen und zur Entwicklung einer positiven Zukunftsvision, die von Hoffnung geprägt ist.
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