Siemens als Praxisbeispiel
Mental Health: Was Unternehmen für ihre Führungskräfte tun können
Foto: KI-generiert von KCF
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz nehmen zu – und machen auch vor Führungsetagen nicht halt. Unternehmen, die langfristig erfolgreich sein wollen, sollten somit die mentale Gesundheit ihrer Belegschaft gezielt stärken. Psychische Gesundheit ist zum Schlüsselfaktor für die Leistungsfähigkeit und Resilienz der gesamten Organisation geworden. Wie das gelingt, zeigt Siemens beispielhaft. Katja Wagner und Matthias Rößle geben einen Einblick in die Angebote zum Erhalt und zur Wiederherstellung psychischer Gesundheit.
Das Portfolio der betrieblichen Maßnahmen zur Stärkung der mentalen Gesundheit ist breit. Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) stehen dafür zahlreiche Maßnahmen zur Verfügung – das gilt für Unternehmen aller Größen. Besonders wirksam sind Schulungen zu Stress- und Konfliktmanagement, psychischer Gesundheit sowie zur Resilienzförderung. Auch der Aufbau von psychologischer Sicherheit im Team spielt eine zentrale Rolle. Eine besondere Funktion haben die Führungskräfte: Gerade sie sollten jederzeit Zugang zu professionellen Unterstützungsangeboten wie Coaching, Supervision oder psychosozialer Beratung haben. Denn wer Verantwortung trägt, braucht auch Räume zur Reflexion, Entlastung und Unterstützung in herausfordernden Führungssituationen.
Ganzheitlicher Ansatz
Doch all diese Maßnahmen greifen nur dann wirklich, wenn sie in eine Unternehmenskultur eingebettet sind, die mentale Gesundheit nicht tabuisiert. Offenheit, Vertrauen und ein wertschätzender Umgang mit psychischen Belastungen sind die Basis – und zugleich ein wichtiger Hebel für nachhaltige Veränderung. Siemens verfolgt daher einen ganzheitlichen Ansatz, um das mentale Wohlbefinden der Mitarbeitenden und Führungskräfte zu stärken. Im Fokus stehen dabei drei zentrale Ziele: Bewusstsein schaffen, präventiv handeln und im Ernstfall schnell helfen.
Hier setzt die Siemens Sozialberatung in Deutschland an: Sie bietet vertrauliche und niedrigschwellige psychosoziale Unterstützung – etwa bei Stress, Schlafproblemen, persönlichen Krisen oder familiären Belastungen. Das Angebot richtet sich an alle Beschäftigten, unabhängig von Hierarchie oder Funktion.
Resilienz auf allen Ebenen stärken
Mit der „Toolbox Resilienz“ haben wir bei Siemens ein praxisnahes Instrument entwickelt, das die psychische Widerstandskraft im Unternehmen gezielt stärkt – auf individueller, teambezogener und organisationaler Ebene. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch: Mitarbeitende sollen lernen, ihre eigene Resilienz zu erkennen, zu entwickeln und im Alltag zu festigen. Schulungen und Workshops vermitteln fundiertes Wissen, unterstützen resilienzförderndes Verhalten und helfen, persönliche Ressourcen nachhaltig zu stärken.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Teamresilienz. Ziel ist es, Teams zu befähigen, gemeinsam mit Belastungen umzugehen und sich gegenseitig zu stärken.
Auch Siemens als Organisation wird in den Blick genommen: Die Toolbox adressiert, wie Prozesse, Strukturen und Führungskulturen gestaltet sind – und ob sie Resilienz fördern oder behindern. Ergänzt wird dieser Blick nach innen durch die Betrachtung externer Faktoren. Schulungen zur organisationalen Resilienz runden das Angebot ab und machen die Toolbox zu einem strategischen Baustein für nachhaltige Unternehmensentwicklung.
Auf der internen Plattform My Learning World stehen zusätzlich digitale Ressourcen rund um mentale Gesundheit zur Verfügung. Dazu gehören Meditationen, Achtsamkeitsübungen, Fachartikel und Podcasts. Ein besonderes Highlight ist die alle zwei Jahre stattfindende konzernweite „Mental Health Week“ mit Vorträgen und Diskussionsrunden zu Themen wie Resilienz, Selbstfürsorge, Depression und gesunder Schlaf. Unsere Erfahrung: Diese Aktionswoche schafft viel Raum für Austausch und Inspiration.
Psychische Gesundheit beginnt mit Bewusstsein
Ein gutes Umfeld für psychische Gesundheit beginnt im Kopf. Siemens setzt dafür gezielt auf Awareness-Kampagnen, um Vorurteile abzubauen und das Thema aus der Tabuzone zu holen. Denn die Folgen einer Stigmatisierung sind fatal: Wenn Betroffene aus Scham keine (psychosozialen) Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen, helfen auch betriebliche Gesundheitsmaßnahmen nicht. Hier hat Siemens mit der preisgekrönten Destigmatisierungskampagne #Breakingthesilence einen Meilenstein gesetzt. Die Kampagne kombiniert eine Posterkampagne, Videointerviews mit Betroffenen und ein gamifiziertes Training für Führungskräfte sowie rund um die Uhr verfügbare Fachinformationen in der My Learning World. Ziel ist es, psychische Gesundheit sichtbar zu machen und den offenen Dialog zu fördern.
Führungsebene ist der Schlüssel
Bei Siemens wissen wir, dass in der Führungsebene ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg liegt, denn sie prägt nicht nur die Unternehmenskultur, sondern auch den Arbeitsalltag ihrer Teams. Durch offene Kommunikation, regelmäßige Gespräche und ein unterstützendes Umfeld können Manager entscheidend dazu beitragen, psychische Belastungen zu erkennen und zu reduzieren. Ebenso wichtig: Sie gestalten die Rahmenbedingungen – von der Arbeitsbelastung über flexible Arbeitszeiten bis hin zu einem gesunden Miteinander. Hier werden die Führungskräfte sensibilisiert und geschult. Ein zentrales Instrument ist zudem die jährlich durchgeführte Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen.
Bei Siemens verstehen wir psychisches Wohlbefinden als zentrale Voraussetzung für Leistungsfähigkeit, Innovationskraft und nachhaltigen Erfolg. Mentale Gesundheit ist bei uns kein Zusatzangebot – sie ist integraler Bestandteil der Unternehmenskultur.
