Debatte um die Rente mit 70 Jahren

Das deutsche Rentensystem steht auf der Kippe. In diesem Artikel blicken wir auf die aktuelle Debatte mit christlichem Blick.

Foto: CiW Matthias Schmitt

Mit freundlicher Unterstützung durch die Evangelische Nachrichtenagentur

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Würzburg (idea) – Der Generalsekretär des Verbandes „Christen in der Wirtschaft“, Hans-Martin Stäbler (Würzburg), hält ein generelles Anheben des Rentenalters für falsch.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte die Diskussion mit seinem Vorschlag hervorgerufen, das Rentenalter an die Lebenserwartung zu koppeln, damit die Finanzierung gesichert bleibe. Die Junge Union plädierte daraufhin für eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters von 67 auf 70 Jahre ab 2030. Stäbler sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass er die Idee zwar verstehe, da die Menschen älter und gleichzeitig weniger Kinder geboren werden. Dadurch zahlten immer weniger Bürger in die Rentenkasse ein. Man könne aber in dieser Frage nicht alle Menschen über einen Kamm scheren: „Das geht an der Wirklichkeit vorbei. Wir brauchen eine größere Flexibilität beim Renteneinstiegsalter.“ Während manche gerne länger arbeiten wollten, hätten andere schon mit 65 Jahren nicht mehr genügend Energie: „Eine Rente mit 70 oder noch mehr Jahren bedeutet faktisch eine Rentenkürzung. Viele werden vorher und dann mit Abschlägen in den Ruhestand gehen müssen.“ Er warnte, dass die Schere zwischen Arm und Reich im Alter dadurch weiter auseinandergehe.

Die Bibel ruft auf, sich um Ältere zu kümmern

Stäbler befürchtet ferner, dass bei einem späten Rentenbeginn die „fitten Senioren“ fehlen könnten, die christliche Werke und Gemeinden bräuchten: „Je mehr an der Rentenschraube gedreht wird, desto weniger Menschen werden sich in der dritten Lebensphase ehrenamtlich einbringen.“ In der Bibel werde zudem an vielen Stellen aufgerufen, Ältere zu achten und sich um sie zu kümmern: „Es entspricht christlichen Werten, dass wir mit der älteren Generation nicht wirtschaftlich spekulieren, sondern Lebensleistungen – 45 Jahre Arbeit oder die Jahre der Kindererziehung von Müttern – wertschätzen.“

Diakonie Deutschland: Erst muss es ausreichend Arbeitsplätze für Ältere geben

Nach Ansicht der Diakonie Deutschland müsste zunächst dafür gesorgt werden, dass es überhaupt ausreichend Arbeitsplätze für ältere Beschäftigte gibt. Die Arbeitsbedingungen müssten so sein, dass die Beschäftigten tatsächlich bis zu der aktuellen Renteneintrittsgrenze von 67 Jahren arbeiten können. Diakonie-Pressesprecherin Ute Burbach-Tasso (Berlin) sagte idea: „Eine Erhöhung des Eintrittsalters verschärft sonst lediglich das Problem der Altersarmut.” Der Vorschlag Schäubles ist auch in der Regierungskoalition umstritten. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte der „Bild am Sonntag“, es sei ein Irrglaube, dass alle älter und fitter werden: „Wer 40 Jahre auf dem Bau gearbeitet hat, kann irgendwann nicht mehr.“ Ihr Vater sei Maurer gewesen und mit 73 Jahren gestorben: „Wenn mir da einer mit Arbeiten bis 70 kommt, werde ich sauer.“

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