Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub? Warum Erholung so schnell verfliegt und wie Du dies verhindern kannst, erfährst Du hier.
Der unsichtbare Rucksack, den Du in jedes Meeting trägst
Foto: KI-generiert von zeichensetzen
Markus ist Geschäftsführer eines Autohauses, Vater von zwei Kindern und seit Monaten immer wieder herausgefordert. Mindestens fünf Meetings pro Tag, unbeantwortete Teams-Nachrichten, Mitarbeitergespräche und abends ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber.
Klingt bekannt? Damit bist Du nicht allein! Neurowissenschaftlerin Amy Brann forscht zum Thema Stress und sagt: Wer sein Gehirn dauerhaft auf Hochtouren laufen lässt, wird unproduktiv. Sie empfiehlt: gezielte Pufferzeiten.
Markus ist kein Einzelfall. Moderne Führung fühlt sich oft an wie ein Marathon, bei dem alle fünf Minuten eine „alternative Route“ vorgeschlagen wird. Ständige Unterbrechungen und die Erwartung, immer erreichbar und immer verfügbar zu sein, erhöhen den Druck.
Was dabei in unserem Kopf passiert, ist entscheidend: Unser Gehirn – genauer gesagt der präfrontale Kortex – ist die Schaltzentrale für das, was gute Führung ausmacht: klares Denken, Impulskontrolle, Einfühlungsvermögen, Urteilsvermögen. Genau dieser Bereich leidet als erstes, wenn Stress dauerhaft erhöht ist. Das Stresshormon Cortisol beeinträchtigt seine Funktionsfähigkeit und Entscheidungen werden reaktiver und defensiver getroffen.
Führungskräfte tragen eine doppelte Last
Markus schläft schlecht. Morgens fällt ihm das Aufstehen schwer, tagsüber kann er sich nur kurze Zeit konzentrieren und abends grübelt er über Gespräche nach, die er anders hätte führen sollen. Er denkt, er brauche mehr Disziplin. In Wirklichkeit braucht er Pausen.
Das ist kein Einzelschicksal. Rund 60 Prozent der Führungskräfte berichten, regelmäßig unter Zeitdruck zu stehen und Überstunden zu machen – bei Mitarbeitern ohne Führungsverantwortung sind es nur halb so viele. Wer dauerhaft mehr arbeitet als vorgesehen, zahlt einen konkreten kognitiven Preis: Erinnerungslücken, Konzentrations- und Entscheidungsprobleme.
Der unsichtbare Rucksack nach jedem Wechsel
Markus kommt direkt aus einem Gespräch mit dem Vorstand in ein Teammeeting. Er sitzt körperlich im Raum, aber ist gedanklich noch beim letzten Thema. Er hört zu, nickt, antwortet. Im Anschluss fühlt er sich gerädert – das Gefühl nicht allem gerecht zu werden kehrt ein.
Die Organisationspsychologin Sophie Leroy nennt dieses Phänomen „Attention Residue“ – mentale Rückstände, die nach einem Aufgabenwechsel im Bewusstsein hängen bleiben. Wer eine Aufgabe nicht abschließt oder keine Übergangszeit hat, trägt einen unsichtbaren Rucksack ins nächste Gespräch. Die Leistung sinkt messbar. Nach einer Unterbrechung braucht das Gehirn im Schnitt rund 23 Minuten, um wieder voll fokussiert zu sein.
Das Problem: In Transformationszeiten sind gerade diese heiligen Kühe die größten Innovationsbremsen. Während draußen Tesla und chinesische Hersteller die Spielregeln der Branche neu definieren, klammern sich deutsche Konzerne an überholte Hierarchien und Denkmuster. Jesus selbst war ein Meister darin, heilige Kühe zu schlachten. Manchmal braucht es den Mut, das Unantastbare anzugehen, um echten Fortschritt zu ermöglichen.
Gott hat den Rhythmus erfunden
Markus ist Christ. Sonntags sitzt er in der Gemeinde und hört eine Predigt über Sabbat und Ruhe. Er erkennt:
Jesus führte ein Leben inmitten von Ansprüchen und Erwartungen anderer. Er zog sich regelmäßig zurück: „Sehr früh am Morgen, als es noch dunkel war, stand er auf und ging hinaus. Er ging fort an einen einsamen Ort und betete dort.“ (Markus 1,35)
Wenn der Sohn Gottes diese Auszeiten brauchte – wie viel mehr brauche ich sie?
Pufferzeiten sind keine Zeitverschwendung. Sie sind Gehorsam gegenüber der Art, wie Gott uns geschaffen hat: als Menschen, nicht als Maschinen.
Wer gut führen will, muss auch pausieren können
Drei Monate später hat Markus seinen Kalender umgebaut. Er hat feste Pufferblöcke, geht mittags mindestens zehn Minuten spazieren und hat gelernt, vor Meetings einen kurzen Moment der Stille zu nehmen. Er ist nicht weniger beschäftigt. Aber er ist klarer, ruhiger zum ersten Mal seit Jahren wieder wirklich präsent.
Wer biblische Prinzipien von Ruhe und Arbeit lebt, wird nicht nur besser führen. Er oder sie wird es auch länger und gesünder tun.
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