Hilfe zu suchen ist Stärke, Hilfe zu ermöglichen ist Staatsaufgabe

Warum der Staat für seelische Hilfe sorgen muss. Ein Kommentar von David Dekorsi

Foto: Picture-Alliance.de/Oleksandr Latkun

Mit freundlicher Unterstützung durch die Evangelische Nachrichtenagentur

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Ich schreibe diese Kolumne aus Texas, dem WM-Land USA: volle Stadien, überall Männer, die jubeln, fluchen und weinen. Im Stadion darf ein Mann alles fühlen. Doch draußen gilt das nicht. Vielleicht gerade deshalb fällt der Kontrast auf: Für Begeisterung gibt es gesellschaftlich Raum – für Verzweiflung oft nicht.

Rund drei von vier Suiziden in Deutschland werden von Männern begangen. Im Jahr 2024 waren es 71,5 Prozent der insgesamt 10.372 Suizide, so das Statistische Bundesamt.

Die Ursachen für einen Suizid sind vielfältig. Wer ständig funktionieren soll, lernt oft früh, Gefühle zu unterdrücken. Im Unternehmen, in der Familie, in der Gemeinde. Gerade deshalb ist entscheidend, dass Menschen in seelischen Krisen rechtzeitig Hilfe finden.

Umso irritierender ist eine aktuelle Entscheidung der Bundesregierung. Kurz vor der Abstimmung über das Gesetz zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge brachte die Bundesregierung Änderungsanträge ein. Damit streicht sie ausgerechnet jetzt Regelungen, die eine angemessene Vergütung psychotherapeutischer Leistungen sichern sollten.

Fachverbände warnen: Es gehe nicht um ein bloßes Vergütungsdetail, sondern um einen Eingriff, der die Versorgung im Kern treffe – mit Folgen für Therapieplätze, den psychotherapeutischen Nachwuchs und letztlich die Versorgung der Patienten.

David klagt, Petrus weint

Ja, die Kassen sind klamm. Ja, wir müssen sparen. Ich sage das oft genug selbst. Aber es gibt kluges und dummes Sparen. Wer Therapieplätze verknappt, obwohl Hilfesuchende schon heute monatelang warten, spart nicht, sondern verschiebt die Rechnung: in Arbeitsausfälle, Frühverrentungen, zerbrochene Familien. Und manchmal dorthin, wo keine Rechnung mehr ankommt.

Die Bibel kennt keine Männer ohne Tränen. David klagt, Petrus weint, Jesus bittet in Gethsemane um Beistand. Wahre Stärke ist, sich Hilfe zu holen. Aber der Staat muss gewährleisten, dass Hilfe erreichbar bleibt – für Männer ebenso wie für alle anderen.

Erste Hilfe bei Suizidgedanken bietet die Telefonseelsorge: 
0800 1110111 – rund um die Uhr, kostenlos und anonym.

David Dekorsi

Foto: Privat

Über den Autor

David Dekorsi ist Geschäftsführer des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU/Köln). Der Katholik gehört zum Vorstand des KCF. In seiner IDEA-Kolumne wirft er einen Blick auf aktuelle Themen aus der Perspektive der Generation Z.

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David Dekorsi

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David Dekorsi ist Geschäftsführer des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU/Köln). Der Katholik gehört zum Vorstand des KCF. In seiner IDEA-Kolumne wirft er einen Blick auf aktuelle Themen aus der Perspektive der Generation Z.