Wenn ein Online-Händler Karfreitag schließt

Markus Schön hat den Online-Einkauf auf „buero.de“ an Karfreitag abgeschaltet – und damit öffentliches Interesse erregt. Wofür steht der Unternehmer? Daniela Städter hat ihn getroffen.

Foto: Anne Hufnagl

Mit freundlicher Unterstützung durch die Evangelische Nachrichtenagentur

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Es war eine ungewöhnliche Botschaft, die Kunden des Online-Händlers „buero.de“ am Karfreitag 2026 begrüßte: Statt Bürobedarf bestellen zu können, lasen sie den Hinweis, dass heute nichts verkauft werde. „Jesus ist für uns alle am Kreuz gestorben. Seinem Leiden wollen wir heute gedenken.“ Wer dennoch Stifte oder Druckerpapier brauche, müsse sich wenige Tage gedulden: „Buero.de ist nächste Woche auch noch da.“

Hinter der Aktion stand der 51-jährige Protestant Markus Schön, zu dem Zeitpunkt Vorstandsvorsitzender der Detmolder buero.de-Gruppe. Auf der Plattform LinkedIn erklärte er seine Entscheidung so: Das Christentum sei „die Grundlage unserer Gesellschaft“ – und es sei höchste Zeit, Zeichen zu setzen.

Den christlichen Glauben nicht verstecken

Die Reaktion übertraf alles, was er erwartet hatte, wie der Multiunternehmer Schön im Gespräch erzählt. Säkulare Medien wie Bild, Focus und t-online griffen die Geschichte auf. Sein LinkedIn-Beitrag war der zweitmeistgelesene, den er jemals geschrieben hat, Kommentare erreichen ihn bis heute. „Es kommt gut an“, sagt er.

Ostern sei in vielen Familien zu einem Konsumfest wie Weihnachten geworden, das Wissen über die Bedeutung von Karfreitag schwinde: „Es sollte ein stiller Feiertag sein, und da muss man auch nichts kaufen.“

Hat er sich vorher intern abgestimmt? „Nein“, sagt er und lacht. „Wer fragt, kriegt nicht immer die Antwort, die er haben will. Manchmal muss man einfach handeln.“

Monatlich habe buero.de rund 1,5 Millionen Besucher, an Karfreitag habe man ein paar Kunden verloren, dafür seien andere dazugekommen: „Das ist Marktwirtschaft. Ich treffe meine Entscheidungen und muss mit den Konsequenzen leben.“

Was ihn aber nicht interessiert habe: ob sein Bekenntnis zum Glauben zu einer negativen „Brandmarkung“ führt. „Wir verstecken unseren christlichen Glauben viel zu sehr. Das ist komplett abstrus. Dann dürfen wir Christen uns auch nicht beschweren, dass immer weniger Menschen in die Kirche gehen.“

„Wer fragt, kriegt nicht immer die Antwort, die er haben will. Manchmal muss man einfach handeln.“ – Markus Schön

Vom „Passivchristen“ zum Kirchenvorstand

Dass Schön einmal so offensiv für seinen Glauben einstehen würde, war keineswegs vorgezeichnet. „Ich bin zur Konfirmation gejagt worden.“ Als Jugendlicher spielte er lieber Fußball, schaffte es als Torwart bis in die Landesliga. Lange Jahre war er, wie er selbst sagt, ein „Passivchrist“: Er heiratete kirchlich, er ließ seine zwei Kinder taufen – mehr nicht.

Den Weg zurück zur Kirche fand er – ausgerechnet – über seinen Beruf: die Vermögensverwaltung. Als Geschäftsführer der „Schön & Co GmbH“ betreut er seit Jahrzehnten auch kirchliche und gemeinnützige Organisationen. „Es ist toll, wenn man dafür sorgt, dass Milliardäre und Millionäre dieser Welt noch mehr Geld haben“, sagt er trocken. „Aber wenn man sieht, dass beim Einsatz für eine Kindertagesstätte etwas Positives bei rumkommt – das ist doch viel befriedigender.“

Aus dieser Erfahrung wurde ehrenamtliches Engagement: Erst Kirchenvorstand und mittlerweile Vorsitzender in seiner Detmolder Heimatgemeinde, Mitarbeit im Anlageausschuss der Lippischen Landeskirche und in der Gemeinsamen Versorgungskasse für Pfarrer und Kirchenbeamte der rheinischen, westfälischen und lippischen Kirche.

Daneben engagiert sich Schön in der von ihm mitgegründeten Kinderstiftung Schön & Co, die in fast 20 Jahren rund 60.000 Kinder gefördert hat. Sein Lieblingsprojekt heißt „Kein Opfer werden“ – ein Selbstbehauptungskurs für Vorschulkinder.

Akzeptanz erarbeiten

Beruflich hatte sich Schön früh einen Namen gemacht. Mit 24 wurde er Filialleiter einer Großbank. „Da muss man sich Akzeptanz erarbeiten“, sagt er rückblickend. Und man müsse Menschen überzeugen können: „Das bedeutet nicht, dass man alles besser kann. Dann wäre man der beste Sachbearbeiter.“

Ziel müsse es sein, die Mitarbeiter bestmöglich einzusetzen: „Jeder meiner Mitarbeiter ist in seinem Fachbereich viel besser als ich. Aber keiner kann das Ganze so zusammenhalten wie ich.“

Zudem brauche es ein selbstbewusstes Auftreten: „Als Kind war ich schüchtern, aber mit 17 hatte ich verstanden: Wenn ich mich gut artikulieren kann, dann werde ich auch gehört.“

Es folgten Stationen in der Vermögensverwaltung, schließlich parallel auch der Vorstandsvorsitz bei der buero.de-Gruppe. Ende April 2026 ist er dort in den Aufsichtsrat gewechselt. Sein Hauptaugenmerk liegt weiterhin auf der Vermögensverwaltung.

Klare Worte

Deutlich wird Schön, wenn das Gespräch auf die Politik kommt. Lange war er überzeugt, dass Deutschland „the place to be“ sei – unternehmerisch wie gesellschaftlich. „Aber meine Überzeugung erodiert. Weil wir grottenschlecht regiert werden.“ Über die Schuldenpolitik unter Bundeskanzler Friedrich Merz könne er nur den Kopf schütteln.

Wenn er über die evangelische Kirche spricht, wird er mindestens ebenso deutlich. Sie sei mittlerweile „dauerdepressiv“, das habe mehr von Abwickeln als von Gestalten. Derzeit rechne sie sich ärmer, als sie eigentlich sei. „Alles wird unter dem Kostengesichtspunkt als Last gesehen.“ Kindergärten, Kirchenmusik und allgemein das Gemeindeleben könnten aber auch materiell sehr rentabel sein. „Wenn ich so als Unternehmer agieren würde, wie es die Kirche aktuell tut, dann wäre das Insolvenzverschleppung. Die Kirche tut so, als ob morgen die Welt untergehen würde. Wenn dem wirklich so wäre: Dann sollte Kirche alles, was sie an Geld hat, verteilen und abschließen.“

Gegen Großgemeinden

Besonders kritisch sieht er den Trend zu immer größeren Gemeindestrukturen. Überlegungen, dass ein Pfarrer in Lippe bis zu 4.000 Gemeindemitglieder betreuen soll, hält er für „absurd“: „Wie soll das funktionieren? Das ist ein Sterben auf Raten.“

Die Seelsorger vor Ort seien eine Art von „Vertrieb“. „Wir leben in einer Zeit, in der Begleitung in Krisen so wichtig ist. Wer das gut macht, über den wird geredet.“ Deshalb müsse die Kirche alles dafür tun, neue „Vertriebler“ zu gewinnen und für ein Theologiestudium zu begeistern.

Die entscheidende Ebene für Kirche sei immer die Ortsgemeinde – Gemeindeleben müsste darum kleinteiliger stattfinden, statt in Größe unterzugehen. Sein an die Kirchenleitungen gerichteter Wunsch: „Kirche muss wieder viel stärker für Glaube, Liebe und Hoffnung stehen. Wie will sie denn Leute begeistern, wenn sie so depressiv unterwegs ist?“

Jeder Christ ist gefragt

Zugleich müsse jeder Christ ganz persönlich überlegen, was er für eine positive Wahrnehmung von Glaube und Kirche tun könne. „Es muss doch möglich sein, dass wir öffentlich sagen: Ich bin Christ, ich bete, ich glaube an Gott.“ Und wem die Kirche wichtig sei, der müsse sich auch engagieren, auch wenn er nicht allem zustimme, was die Kirche tue.

Ihm persönlich passe die „grüne Neigung“ der Kirche beispielsweise nicht. „Aber was für einen Unterschied mache ich, wenn ich deswegen austrete? Dann überlasse ich das Feld jenen, die aus meiner Sicht dazu beitragen, Kirche in eine falsche Richtung zu steuern.“

Seine Überzeugung, dass die Kirche weiterhin gebraucht werde, speise sich auch aus konkreten Erfahrungen – etwa beim Stadtteilfest in Detmold. Nach einem gemeinsamen Segensgebet hätten fremde Menschen die Geistlichen gebeten: „Kannst du mir auch persönlich so einen Segen sagen?“

Schön ist überzeugt: „Dieses Bedürfnis nach Orientierung ist riesengroß. Und da reden wir nicht über das Alter 60 plus, das gilt von Jung bis Alt.“

„Es muss doch möglich sein, dass wir öffentlich sagen: Ich bin Christ, ich bete, ich glaube an Gott.“ – Markus Schön

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