Bildungsnotstand gefährdet Wirtschaftsstandort

Foto: KI-generiert von zeichensetzen

Mit freundlicher Unterstützung durch die Evangelische Nachrichtenagentur

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Schlechtere Lernleistungen, mehr psychische Probleme, Kritik an Digitalisierung und KI sowie eine wachsende Gefahr für Wirtschaft und Demokratie: Der Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer analysiert die Ursachen der Bildungskrise und zeigt, warum dringender Handlungsbedarf besteht.

Der sinkende Bildungsstand in Deutschland entwickelt sich zu einem ernsten Standortrisiko für Wirtschaft und Demokratie. Diese Auffassung vertritt der Erziehungswissenschaftler Prof. Klaus Zierer in einem Interview mit der Tageszeitung „Welt“. Deutschlands wichtigstes Kapital sei die Leistungsfähigkeit und Anstrengungsbereitschaft der Menschen.

Die empirische Bildungsforschung zeige einen direkten Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Wirtschaftskraft. Von einem „Bildungsnotstand“ zu sprechen, sei angemessen: „Wir beobachten seit zehn Jahren einen regelrechten Sturzflug bei den Lernleistungen.“

Gleichzeitig verschlechtere sich die psychosoziale Situation vieler Kinder und Jugendlicher. Depressionen und Vereinsamung nähmen zu, ebenso die Zahl der Suizide. Hinzu kämen gesundheitliche Probleme wie Übergewicht. Inzwischen erreiche mehr als ein Drittel der Kinder die Mindeststandards beim Rechnen, Lesen und Schreiben nicht. Das habe unmittelbare Folgen für Ausbildung, Arbeitsmarkt und Gesellschaft, sagte Zierer gegenüber der „Welt“.

Was die Ursachen der Krise sind

Als „Bildungslüge“ bezeichnet Zierer die Diskrepanz zwischen immer besseren Abiturnoten und sinkenden Kompetenzen in Studien wie Pisa und den Erhebungen des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB). Die Anforderungen seien schrittweise abgesenkt worden.

Als Ursachen der Krise nennt Zierer mangelnde Vorbereitung des Bildungssystems auf Migration, eine überschätzte Digitalisierung sowie die Bevorzugung von Gleichheit gegenüber Leistung. Wenn 80 oder 90 Prozent der Kinder in einer Klasse kein Deutsch sprächen, lernten alle weniger. Ab einem bestimmten Punkt der Heterogenität entstünden Kipppunkte im System: „Darüber hinaus müssen wir darüber nachdenken, wie Migration so gesteuert werden kann, dass sie Wirtschaft und Gesellschaft dient und nicht destabilisiert.“

Leistungsanspruch wird zunehmend geopfert

Studien zeigten zudem, dass Digitalisierung in der Schule häufig zu schlechteren Lernleistungen führe. Beim Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) warnt Zierer: „Am Ende geht das Licht in den Hirnen aus.“ Ohne Anstrengung gebe es keine Bildung. Die eigene Leistung habe eine wichtige Funktion für das Selbstwertgefühl.

Die Vorstellung, ein gerechtes Bildungssystem müsse zu gleichen Ergebnissen führen, sei ein Irrtum, weil Menschen unterschiedlich seien. Das Ziel „Ergebnisgleichheit“ lasse sich nur durch niedrigere Leistungsanforderungen erreichen: „Im Bemühen um mehr Gleichheit opfern wir zunehmend den Leistungsanspruch. Bildung bedeutet nicht, dass am Ende alle gleich sind, sondern dass jeder aus seinen Möglichkeiten das Beste macht.“

Zierer warnt zudem vor einer geringeren „Demokratiefähigkeit“. Menschen müssten lesen, verstehen, argumentieren und kritisch hinterfragen können. Mit sinkendem Bildungsniveau gingen diese Fähigkeiten verloren. Zierer ist Inhaber des Lehrstuhls für Schulpädagogik an der Universität Augsburg. Er hat im Juni den Essay „Bildungsnotstand als Standortrisiko“ (Waxmann Verlag) veröffentlicht.

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